GIESSEN. Einer fehlte am Donnerstagvormittag in der Bootshaustraße: Gießens ehemaliger Baudezernent Thomas Rausch (CDU). War er es doch, der bei der Bewerbung der Stadt für die Landesgartenschau eine Öffnung des Bahndamms maßgeblich forcierte. Das war im Jahr 2005. Zwölf Jahre später war es nun endlich so weit: Mit dem ersten Spatenstich markierten Vertreter von Stadt, Bahn und Baufirma den offiziellen Beginn für den Durchstich von der Damm- zur Bootshausstraße. Mit der Unterführung werde die Lahn näher an die Stadt geholt, sagte Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich (Grüne). Trotz vorübergehender Einschränkungen vor allem für die Anwohner erwartet die Dezernentin eine „deutliche Verbesserung“. Besonders Christian Heimbach habe sich für das Projekt eingesetzt. Das dürfte wohl auch der Grund dafür gewesen sein, dass der SPD-Politiker als einziger Stadtverordneter eine persönliche Einladung für den Spatenstich erhalten hatte. Ebenfalls hob Weigel-Greilich den damaligen Staatssekretär im Bundesforschungsministerium und heutigen Staatsminister im Kanzleramt, Prof. Helge Braun (CDU), hervor. 

Stadtrat Peter Neidel (CDU) sah in der Maßnahme eine „Verbesserung des Verkehrsflusses sowie der Lebensqualität“. Er räumte ein, dass es durchaus kritische Stimmen aus den Reihen der Anwohner gebe. Helge Braun bekannte, bereits als kleiner Junge sei er die Bootshausstraße entlanggefahren. Der Standort für den Durchstich sei gut gewählt in unmittelbarer Nähe zu einem „gastronomischen Highlight“, spielte Braun auf das „Bootshaus“ an. Jahrzehntelang sei das Wohngebiet auf der anderen Seite des Bahndamms völlig abgekoppelt gewesen. In Berlin habe er sich trotz Bedenken des damaligen Verkehrsministers Peter Ramsauer (CSU) für das Projekt eingesetzt. Für die Bahn wies Ulrich Achterberg auf das von der Firma Falkenhahn angewandte Bauverfahren hin. Dieses spare Zeit und Geld. 
Ursprünglich sollte der Durchstich bereits zur Landesgartenschau 2014 verwirklicht sein. Durch die Maßnahme erhofft sich die Stadt, die das rund zwei Millionen Euro teure Projekt über das Kommunalinvestitionsprogramm des Bundes finanziert, eine bessere Anbindung der Innenstadt an die Lahn.
 
Insbesondere Radfahrer und Fußgänger sollen von der Verbindung profitieren. Gleichzeitig ist beabsichtigt, einen Teil des Kraftfahrzeugverkehrs bis 3,5 Tonnen aus dem Gebiet „Zu den Mühlen“ in die Stadtmitte zu führen. Um Verkehrsverlagerungen zu vermeiden, soll die Straße als Einbahnstraße in Richtung Zentrum geführt werden. Die Bahnstrecke Kassel-Frankfurt, die in diesem Bereich auf einem etwa fünf Meter hohen Damm verläuft, soll durch die geplante Straße gekreuzt werden. Aus diesem Grund soll im Zuge der Arbeiten eine neue Brücke gebaut werden, die die Deutsche Bahn AG errichtet. 

Die Pläne sehen weiterhin vor, dass die geplante Bahnunterführung mit freiem Blick zur Lahn eine Höhe von mindestens 3,50 Meter erhält. Die Durchfahrtshöhe wird auf drei Meter beschränkt. Im Mai 2013 hatte die Stadt das Vorhaben beim Regierungspräsidium beantragt. „Umfangreichen Abstimmungsbedarf“ hatte es mit Blick auf Bedenken zu möglichen Erschütterungsimmissionen während der Bauphase gegeben, die das in der Dammstraße ansässige Eichamt vorgebracht habe. Die Fertigstellung ist für Februar 2018 vorgesehen.
(Quelle: Gießener Anzeiger)

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