Kassierer. Und Schriftführer. Das sind die Jobs im geschäftsführenden Vorstand eines Vereins, die neben einem hohen Maß an Verantwortung oftmals auch mit einer kräftigen Portion Arbeit verbunden sind.

Nicht begehrt, aber von Bedeutung. Das ist bei einem CDU-Kreisverband nicht anders. So erhielt der langjährige Kassierer Reingard Peter aus Pohlheim am Freitag beim Kreisparteitag der CDU in Buseck mit 124 von 127 Stimmen ein hohes Maß an Zuspruch. Toppen konnte das nur noch der neue Kassierer Christopher Lipp (Langgöns), der als »Mister 100 Prozent« alle 127 Stimmen der Anwesenden auf sich vereinte.

Ein überaus gutes, wenngleich nicht ganz so überragendes Ergebnis fuhr Helge Braun ein: Der Mediziner und designierte Nachfolger von Peter Altmaier im Kanzleramt in Berlin erhielt 91,1 Prozent der Stimmen – das waren elf Gegenstimmen bei 124 gültigen Stimmen. Vor zwei Jahren kam Braun auf 93 Prozent an der Spitze der Kreis-CDU. Ansonsten barg der als Hauptversammlung angelegte Parteitag keine Überraschungen.

Werben um neue Mitglieder

Brauns Stellvertreter wurden ebenso solide gewählt wie alle zwölf Beisitzer, die der alte Vorstand noch vorgeschlagen hatte – vor zwei Jahren noch hatten sich 13 Mitglieder um die zwölf Positionen beworben – und es war seinerzeit schon ein nachdenklich stimmender Moment, als der langgediente, verdienstvolle Christdemokrat Ulrich Lenz knapp das Ziel verfehlte. Aber kaum besser hatte damls der eine Zeitlang als Hoffnungsträger gefeierte Gregor Verhoff abgeschnitten, der zuvor als Landratskandidat einen Achtungserfolg gegen die wiedergewählte Anita Schneider (SPD) einfahren konnte. Wenn auch nicht vergessen, so doch vorbei.
An diesem Freitag wurde in der Sitzung unter Leitung des CDU-Ministerpräsidenten und Ehrenvorsitzenden Volker Bouffier Aufbruchstimmung vermittelt: Die neu gewählte Mitgliederbeauftragte Felicitas Beuschel, eine junge Lehrerin aus Gießen, gab als wichtigste Aufgabe die Mitgliederwerbung aus: »Am besten sollten alle bei uns eintreten«, wünschte sie unter dem Applaus der Parteifreunde. Denn die Zahlen stehen derzeit noch nicht auf Zuwachs: Zählten vor zwei Jahren noch 1660 Menschen zur CDU im Kreis Gießen, so sind es jetzt noch 1495 – ein Minus von zehn Prozent. Auch Helge Braun gab als Aufgabe aus, neue Mitglieder zu werben: Man habe eine starke, engagierte Junge Union. »Wir müssen nachdenken, wie wir wieder mehr werden! Und wir müssen in jedem Dorf die Ortsbeiräte besetzen können.«
Als weitere große Aufgabe für den CDU-Kreisverband benannte er, »Zukunftsideen für unseren Landkreis zu entwickeln«: Vor etwa zehn Jahren, als die Union schon einmal in Verantwortung stand, habe man sich als Zukunfts- und Wissensregion positioniert. Jetzt gelte es, erneut einen solchen Aufbruch zu gestalten. Wobei Braun davor warnte, das eigene Profil zu ändern: Es sei gefährlich, wenn die Menschen sagten: »Die AfD ist so, wie die CDU früher war«. Dem hielt er das Wort von Angela Merkel entgegen, rechts von der CDU könne es keine demokratische Partei geben. Und mit Blick auf die Landtagswahl im Herbst beschwor Braun einen der Altvorderen: »Wir müssen klar machen, dass es für Hessen keine Alternative gibt! Da gibt es keine Experimente!« zitierte er den erfolgreichen Slogan Konrad Adenauers aus dem Bundestagwahlkampf von 1957.
Gießener Allgemeine

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