POLITIK  Chef des Kanzleramts Helge Braun spricht in Weilburg über seine neue Aufgabe als Minister

WEILBURG Er sitzt mitten im Zentrum der Macht, bei ihm laufen alle Fäden des Regierungshandelns zusammen: Der frischgebackene Chef des Kanzleramts, Helge Braun (CDU), ist am Freitagabend im Komödienbau zu Gast gewesen und hat Einblicke in seine neue Aufgabe gegeben.

Als die Kreis-Senioren-Union Helge Braun (CDU) nach Weilburg eingeladen hatte, konnte sie noch nicht ahnen, dass am Ende ein Bundesminister kommen würde. Denn bis Mittwoch hatte Braun als Staatsminister noch zwei Etagen tiefer im Berliner Kanzleramt sein Büro und war unter anderem für die Bund-Länder-Koordinierung der Regierungspolitik verantwortlich. Am Mittwoch erst erhielt der aus Gießen stammende gelernte Narkosearzt von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Schloss Bellevue seine Ernennungsurkunde als Bundesminister für besondere Aufgaben – und damit Chef des Kanzleramts.
Es ist vielleicht eine der stressigsten Aufgaben in der Bundesregierung, dennoch nahm sich Braun gut zwei Stunden Zeit, um mit den älteren CDU-Mitgliedern im Kreis ins Gespräch zu kommen. Über seine 40-minütige Verspätung, Braun wurde auf der Autobahn 3 vom Feierabend-Stau aufgehalten, lachten viele im Saal: „Immerhin wesentlich weniger, als die Regierungsbildung gedauert hat“, scherzte ein Besucher. Brauns Aufgabe als „Chef BK“, wie es im Organigramm der Regierungszentrale heißt, ist sei es vor allem, im Hintergrund „den Laden zusammenzuhalten“. Aufgrund des Medieninteresses und etlicher Interviews, mit denen Braun in den vergangenen Tagen in der Öffentlichkeit präsent war, habe das „mit dem im Hintergrund bleiben nicht so gut geklappt“, wie er den etwa 120 Zuhörern in der Aula des Komödienbaus sagte – die das mit Beifall und Lachen quittierten. Die CDU-Mitglieder im Landkreis Limburg-Weilburg sind schon ein Stück weit stolz, dass das einzige hessische Mitglied der Bundesregierung aus Mittelhessen stammt – der einzige weitere Hesse, der ebenfalls immer mittwochs am Kabinettstisch im Kanzleramt Platz nimmt, ist der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Michael Roth (SPD), der aber nicht im Rang eines Bundesministers ist. „Nach Friedrich Bohl ist wieder ein Hesse im Zentrum der Macht“, sagte etwa der Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Rheingau-Taunus/Limburg, Klaus-Peter Willsch (CDU).

In Weilburg spann Braun indes einen großen Bogen der Politik. Pflege ist für den Mediziner dabei ein Thema mit großer Bedeutung. Er will daran mitwirken, dass junge Menschen, die in der Pflege tätig werden wollen, eine Ausbildungsvergütung erhalten werden, statt wie bislang sogar Geld mitbringen müssen. Auch versprach Braun, dass die neue Bundesregierung die Digitalisierung vorantreiben werde. „Auch Weilburg wird vollständig digitalisiert und ans schnelle Internet angeschlossen“, versprach Braun. Bis 2025 werde Deutschland über eine Gigabit-Versorgung verfügen – eine 100-Milliarden-Euro-Aufgabe, deren Kosten sich Telekommunikations-Unternehmen und der Bund teilten – und die gerade im ländlichen Raum wie in Mittelhessen noch eine Zeit lang dauern werde.
Der CDU-Stadtverbandsvorsitzende und Erste Stadtrat, Hartmut Eisenträger, leitete eine kurze Diskussionsrunde mit dem Minister. Ein Gast rügte etwa, dass der Bundestag mit 709 Abgeordneten zu aufgebläht sei – „verantwortungsloser Umgang mit unseren Steuergeldern“. Braun entgegnete, dass er durchaus eine Obergrenze für sinnvoll erachte, eine Lösung aber schwierig werde, wenn man an Direktmandaten festhalten wolle.
Gast will lieber General als Chef im Bendlerblock, Braun verteidigt von der Leyen
Ein Gast bemängelte, dass Ursula von der Leyen (CDU) das Verteidigungsressort führe, ein General sei geeigneter dafür. Sollte ein Militär auch ziviler Chef der Bundeswehr im Benlderblock sein? Braun antwortete, dass von der Leyen eine sehr durchsetzungsfähige Ministerin sei – so sei den deutschen Soldaten am besten gedient. Der Kreisvorsitzende der Senioren-Union, Siegfried Schardt, bedankte sich bei Braun, dass er kommen konnte. Bürgermeister Johannes Hanisch (CDU) zeigte sich stolz, dass mit Braun ein Kanzleramtschef sein erster von ihm verantworteter Eintrag ins Goldene Buch der Stadt sei. Braun trug sich mit Hanisch und dem CDU-Kreisvorsitzenden Andreas Hofmeister dort ein.

Weilburger Tageblatt

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